Wenn sauer krank macht

Unser Körper ist ein wahrer Meister in Sachen Regulation. Ein besonderes Regulationssystem ist der sogenannte Säure-Basen-Haushalt mit dem Ziel, den lebenswichtigen Blut-pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 konstant zu halten. Er sorgt aber auch dafür, die Säure-Basen-Balance in bestimmten Körperregionen so zu regulieren, dass sie den jeweiligen Anforderungen perfekt angepasst ist. Hierfür steht ein ausgeklügeltes System an Pufferorganen und Puffersubstanzen zur Verfügung. Säuren, die in unserem Körper als ganz normale Abbauprodukte des Stoffwechsels anfallen, werden in der Regel mit Hilfe verschiedener Organe, allen voran Lunge und Nieren, ausgeschieden oder abgepuffert, beziehungsweise neutralisiert. Aber auch Darm, Leber, Haut, Bindegewebe, Knochen und Muskulatur können regulierend eingreifen, wenn Bedarf besteht.

Ist das System jedoch überlastet und überschüssige Säuren können nicht mehr ausgeschieden werden, kann es aus dem Gleichgewicht geraten. Mit der Zeit kann sich eine Übersäuerung manifestieren, die sich in Symptomen wie schneller Ermüdbarkeit, nachlassender Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, kalten Händen und Füßen oder erhöhter Infektanfälligkeit ankündigen kann, erklärt Gesundheitsberater Karl-Heinz Ursprung aus Höchberg. Für ihn ist das Frühjahr die ideale Zeit, dem Säure-Basen-Haushalt mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Körper von den „Einlagerungen“ des Winters zu befreien. Denn greife man bei einer Verschlechterung des Allgemeinzustande zu Medikamenten, könne man schnell in einen Teufelskreis geraten, da Medikamente die Übersäuerung vorantreiben können.
 

Einen Hauptgrund für die Verschiebung des Säure-Basen-Haushaltes sieht der Gesundheitsberater in der Ernährung. Ein Zuviel an tierischen Eiweißen und leichtverdaulichen Kohlenhydraten bei zu wenig Obst und Gemüse könne das System in Schieflage bringen. Um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen, rät Karl-Heinz Ursprung zu einem Verhältnis von 70 bis 80 Prozent basischen zu 20 bis 30 Prozent säuernden Lebensmitteln. Wobei er zu zwei Dritteln Gemüse und einem Drittel Obst raten würde und beim Gemüse einen hohen Rohkostanteil bevorzugt.

Stark Säure bildend sind Fleisch, Wurst, Fisch, Eier, Weißmehlprodukte, Fast-Food, Fertigprodukte, Süßwaren und Zucker, süße Getränke, Kaffee, Alkohol und Nikotin. Schwach säurebildend sind Sahne. Quark, Vollkornprodukte, Nüsse und Rosenkohl.

Zu den neutralen Lebensmitteln zählen naturbelassene pflanzliche Fette, Öle und Butter. Im positiven, basenbildenden Bereich bewegt man sich bereits mit Trockenobst, Milch und Pilzen. Als starke Basenbildner gelten Kartoffeln, Gemüse, Obst, Tees, stilles Mineralwasser sowie die Mineralien Kalium, Magnesium und Kalzium in vom Körper gut zu verstoffwechselnder Citratform.

Um die im Bindegewebe oder an den Gelenken abgelagerten Schlacken auszuschwemmen, sei es sehr wichtig, ausreichend gutes, kaum mineralisiertes Quellwasser zu sich zu nehmen. Dieses sei, anders als Leitungswasser, nicht verpresst und könne die Säuren besser aufnehmen und ausleiten.

Neben einem geregelten, erholsamen Schlaf und einem reduziertem Stresslevel sei auch die Atmung wichtig, da sie flüchtige Säuren eliminieren könne. Eine tiefe Atmung und der ganze Säure-Basen-Haushalt würden insbesondere auch durch regelmäßige Bewegung und Sport verbessert.

Um dem Körper während der Ernährungsumstellung einen zusätzlichen Schub zu geben, könne man auch vorübergehend zu Basenprodukten wie basischen Bädern, basischen Strümpfen, Basentees oder speziell zusammengestelltem Basenpulver greifen und diese mehrere Wochen kurmäßig anwenden und den Körper entlasten, merkt der Gesundheitsberater an.

Sport senkt den Blutzucker. Diabetes Typ 2, auch Altersdiabetes genannt, lässt sich mit regelmäßigem Ausdauersport in Schranken halten. In Folge der Bewegung beginnen die Zellen wieder, auf das Insulin zu reagieren und den Zucker zu verarbeiten.

Sport hilft, Gewicht zu halten. Wer mehr Energie zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Körperliche Aktivität erfordert mehr Energie und regt den Stoffwechsel an. Ausdauersport gibt dem Körper den Impuls, mehr Mitochondrien – die Mini-Kraftwerke der Zellen – zu bilden, in denen Kalorien verbrannt werden.
Sport stärkt das Immunsystem. Auf unser Immunsystem wirkt sich regelmäßige Bewegung gleich mehrfach positiv aus: Durch die bessere Versorgung mit Sauerstoff werden mehr Immunzellen gebildet. Die Lymphe fließt besser und reinigt den Körper effizienter von Schad- und Giftstoffen. Bewegung puffert zudem Stress ab, der sich negativ auf das Immunsystem auswirken kann.

Sport entlastet den Rücken. Sitzen ist Gift für unseren Rücken. Nur in Bewegung werden Muskeln, Nerven, Sehen, Bänder, Bandscheiben und Knochen ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Je abwechslungsreicher das Training, desto bester für den Rücken.

Sport hält den Kopf fit. Oft unterschätzt wird die positive Wirkung der Bewegung auf das Gehirn. Durch die bessere Durchblutung wird es stärker mit Sauerstoff versorgt und die Neurotransmitter leiten Signale schneller ans Gehirn weiter. Die Folge: Reaktionszeiten verkürzen sich.

Die Weltgesundheitsorganisation gibt die Empfehlung, sich 20 bis 30 Minuten an mindestens fünf Tagen pro Woche, also 150 Minuten insgesamt, zu bewegen. Das ist tatsächlich nicht viel und sollte doch zu schaffen sein, oder? Gehen Sie es an!

Autorin: Petra Jendryssek | Foto: ©silviarita-pixabay.com