Vitalstoffkugel: Rote Beete

Zugegeben, lange zählte sie nicht unbedingt zu unserem Lieblingsgemüse. Doch seit einiger Zeit scheint es fast so, als erlebe die Rote Bete, einst sauer eingelegter Stammgast in Omas Vorratsregel, einen neuen Frühling. Auf vielfältigste Weise zubereitet, hat das mit Zuckerrübe und Mangold verwandte klassische Wintergemüse, das mit enormen inneren Werten punkten kann, Einzug in die gehobene Gastronomie gehalten. Auch in der privaten Küche findet es immer mehr Zuspruch. Nicht verwunderlich also, dass der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) die Kulturform der Meerrübe zum Gemüse der Jahre 2023 und 2024 ausgerufen hat und damit ihre kulinarische Renaissance noch befeuert.

Auch Martin Schäfer von der Raritätengärtnerei in Schwarzach am Main freut sich über eine stetig wachsende Nachfrage seiner Kunden nach Rote Bete-Saatgut und Jungpflanzen. Das leckere und vielseitig zu verarbeitende Gemüse lässt sich nämlich recht erfolgversprechend und ohne großen Aufwand im heimischen Garten kultivieren, wenn man ein paar Dinge berücksichtigt.

„Rote Bete bevorzugt einen sonnigen und gut durchlässigen, lockeren und tiefgründigen Boden, damit sich ihre Knolle gut ausbreiten kann“, erklärt der Gemüsespezialist. Sei der Boden zu schwer, könne man zur Auflockerung Sand beimischen. Von Vorteil sei es zudem, den Mittelzehrer in einen nährstoffreichen Boden zu setzen. Idealerweise empfiehlt Martin Schäfer eine Gründüngung im Herbst vor der Aussaat.

Die Rote Bete ist ein zweijähriges Gewächs. Im ersten Jahr entwickelt sich ihre Knolle, im zweiten Jahr bildet sich ein bis zu 1,5 Meter hoher Blütenstand, der die späteren Samen trägt. Damit die Pflanze nicht die erste Vegetationsstufe überspringt und gleich in die Höhe schießt und Blüten treibt, sei es vor allem bei früh ausgesäten oder gepflanzten Beten wichtig, sie vor Temperaturen unter -7 Grad Celsius zu schützen, erklärt der Fachmann für ökologischen Gartenbau. Hilfreich könne hier die Abdeckung mit einem Vlies mit geringer Maschenweite sein, das zunächst Minusgrade abfedere und später die Pflanzen vor zu starker Sonneneinstrahlung bewahren könne, da das Gewebe die Sonnenstrahlen reflektiere.

Rote Bete wächst halb über, halb unter der Erde. Das Gemüse erlebt in der Küche gerade ein Comeback. Sie gibt es in unterschiedlichsten Farben. Auch die Nachfrage nach Gelber Beete wächst. Sie ist etwas milder und hinterlässt keine roten Flecken.

Hat man sich für eine der vielfältigen Sorten entschieden – das Farbspektrum reicht hier von weiß über gelb und rosa bis hin zu tiefrot und weiß-rot geringelt – können die Samen im Abstand von zehn Zentimetern in der Reihe und mit 25 bis 30 Zentimetern Abstand zwischen den Reihen ab März ausgesät werden. Die Keimdauer beträgt rund 14 Tage. Rote Bete kann man aber auch im Pflanzkasten vorziehen und sie nach dem Eisheiligen ins Freilandbeet setzen. Wichtig sei nur, die Erde stets gut feucht zu halten und die Pflanzen vor allem in heißen Sommern vor dem Austrocknen zu schützen.

Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen 50 bis 100 Tage, je nachdem, in welcher Größe man die Beeten ernten möchte und ob man ihr besonders vitalstoffreiches Blattwerk ebenso verzehren möchte, das sich überaus lecker und ganz einfach wie Spinat oder Mangold zubereiten lässt. Um seinen Kunden Knolle und Blätter in einem unversehrten Zustand anbieten zu können, erntet Martin Schäfer seine Beten bevorzugt früh, da diese, genauso wie Möhren oder Radieschen unabhängig von der üblichen Erntezeit in fast jedem Wachstumsstadium genießbar sind. „Sie jungen Beten sind viel zarter und schmecken auch roh hervorragend“, schwärmt der Gemüsefreund. Da die Beten halb unter und halb über der Erde wachsen, kann man ihre Größe gut überwachen und ganz nach eigener Vorliebe in Wünschgröße ernten. Vollreife Knollen können größer als ein Tennisball werden. Beginnen sich ihre Blätter gelb zu verfärben, naht die Erntezeit.

Wichtig bei der Ernte ist es, die Wurzelknolle unverletzt aus der Erde zu heben. Das gelingt leicht, wenn man den Boden um die Knolle herum mit einer Grabegabel lockert und die Rübe dann sanft herauszieht. Die Stängel sollten abgedreht und nicht abgeschnitten werden, um eine Ausblutung der Knolle zu verhindern. Lässt man wenige Zentimeter des Stängels stehen, lässt sich die Rübe noch besser lagern. Soll sie eingelagert werden – dies ist ohne Probleme mehrere Monate möglich – sollte die Erde nicht abgewaschen, sondern nur leicht mit der Hand abgeklopft werden. Will man mit seiner reichen Ernte möglichst lange durch den Winter kommen, empfiehlt Martin Schäfer, die Knollen bei 2 bis 4 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit im Keller, in einer Erdmiete oder in feuchtem Sand zu lagern. Aber auch eingeschlagen in ein feuchtes Tuch halten sich die roten Rüben einige Wochen im Gemüsefach und sorgen für einen überaus gesunden Genuss.

Autor: Petra Jendryssek | Fotos: ©Couleur-pixabay.com, ©Desertrose7-Tracy Lundgren-pixabay.com, ©RitaE-pixabay.com