Im „Land der offenen Fernen“

1991 erkannte die UNESCO die Rhön als Biosphärenreservat an, um Schutz, Pflege und Entwicklung dieser außergewöhnlichen Landschaft zu sichern. Anders als etwa in einem Nationalpark, wo tatsächlich die Natur die Hauptrolle spielt, gibt es hier gemäß dem UNESCO-Programm „Man and Biosphere“ zwei Hauptdarsteller: den Menschen und die Natur. Im Zentrum steht die Verantwortung des Menschen im Umgang mit der Natur. Biosphärenreservate schützen also Natur nicht vor dem Menschen, sondern erhalten sie für den Menschen und mit dem Menschen.

Gemeinsam mit den Menschen, die hier leben, werden Ziele und Maßnahmen zu Schutz, Pflege und Entwicklung der Rhön erarbeitet und umgesetzt. Das wichtigste Instrument zur Umsetzung des Programms „Mensch und Biosphäre“ ist die räumliche Gliederung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in die drei Zonen: Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone. Hier gelten unterschiedliche „Regeln“ für die Nutzung der Natur durch den Menschen.

Die Rhön – auch das „Land der offenen Fernen“ genannt – steht für innovative Projekte unter dem Motto „Mensch.Natur.Einklang“. So ist in den drei Bundesländern Bayern, Hessen und Thüringen, über die sich das BR erstreckt, eine Entwicklung möglich ist, die ökologisch verträglich, ökonomisch tragfähig und sozio-kulturellen Interessen entgegen kommt.

Neben verschiedenen Naturschutzprojekten zeigen auch Gesundheitsprojekte, wie „Green Care“, wie man die positive Wirkung der Natur nutzen kann, um psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken.
Dem Rückgang der Rhöner Bergwiesen gebietet beispielsweise das LIFE-Projekt „Hessische Rhön – Berggrünland, Hutungen und ihre Vögel“ seit 2016 Einhalt. In enger Zusammenarbeit mit Rhöner Landwirtinnen und Landwirten werden Maßnahmen ergriffen, um durch schonende landwirtschaftliche Nutzung die selten gewordenen Lebensräume für Wiesenbewohner wie Bekassine und Wachtelkönig, Arnika und Trollblume zu erhalten.

Aber auch Forschung & Monitoring, internationale Partnerschaften, Bildung für nachhaltige Entwicklung und der Schutz der Nacht spielen im Biosphärenreservat Rhön eine große Rolle. Und nicht zu vergessen: Das Thema „Umweltbildung“ wird bei uns groß geschrieben – egal ob in Form von zertifizierten Biosphären-Schulen und Kitas, den Junior Rangern oder verschiedensten Freiwilligenprojekten, bei denen man in unser BR eintauchen und einen Beitrag leisten kann.

Der Gewinn der gemeinschaftlichen Anstrengungen ist groß, denn im Biosphärenreservat sind durch die menschliche Bewirtschaftung über Jahrhunderte einzigartige artenreiche Lebensräume entstanden, in denen viele seltene, schützenswerte Tier-und Pflanzenarten beheimatet sind. Neben dem Rhönschaf als „Maskottchen“ brüten hier zum Beispiel im rund 280 Rotmilan-Paare.

Um das Engagement der Rhönerinnen und Rhöner in ihrem Biosphärenreservat zu würdigen, wurde 2023 erstmalig der länderübergreifende Rhöner Biosphärenpreis verliehen. Beim Voting gingen über 50.000 Stimmen ein. Der nächste Biosphärenpreis wird im Jahr 2026 verliehen.

Autor: BR | Fotos:Biosphärenreservat Rhön, Oliver Eisenmann (Rhön GmbH), Anna-Lena Bieneck, Elmar Herget