Bauernmuseum Bamberger Land: Dem Gaul ins Maul geschaut

Tiere, die dem Menschen als Arbeitstiere, Fortbewegungsmittel, Lieferanten von Milch und Fleisch oder als Jagdhelfer nützlich sein konnten, genossen seit jeher eine besondere Stellung. Da ihr Wohlergehen eng mit dem ihrer Besitzer verbunden war, herrschte von deren Seite berechtigtes Interesse daran, die Vierbeiner in einem guten gesundheitlichen Zustand zu halten oder im Fall des Falles schnell heilende therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Diesbezüglich waren Viehhalter bis in die Neuzeit hinein oft auf das in der eigenen Familie tradierte Wissen um die Tiergesundheit angewiesen oder bemühten Schutzheilige, die als Patrone über das Vieh wachten. Wussten sie nicht mehr weiter, suchten sie nicht selten Rat bei vor Ort anzutreffenden Experten wie Badern, Scharfrichtern, Schmieden oder Hirten. Besonders hohes Ansehen genossen die Stallmeister, die sich um die edlen Tiere des Adels, allen voran um deren Pferde, kümmerten und aufgrund ihrer oft langjährigen Erfahrung im Krankheitsfall Rat wussten und Linderung brachten.

Anhand von vielen Exponaten, wie hier dem Wurfzeug für Pferde, entfaltet das Bauernmuseum Frensdorf die Geschichte der Tiermedizin in Bayern. Im Mittelpunkt der Sonderschau steht die Gesundheit des Rindes.

Der Einsatz von Pferden in Kriegszeiten sowie der gefürchtete Schaden beim Ausbruch verheerender Viehseuchen ließen im 18. Jahrhundert, ganz im Sinne der Aufklärung, den Ruf nach einer wissenschaftlich fundierten Tierheilkunde laut werden. So wurde 1762 in Frankreich die erste tiermedizinische Schule gegründet. In der Folge entstanden in ganz Europa sogenannte „Tierarzneischulen“ an denen ausschließlich Tierärzte ausgebildet wurden. An der Landesuniversität Ingolstadt wurde wenige Jahre später, 1781, der erste Lehrstuhl für Tierheilkunde in Bayern eingerichtet. Unter der Leitung des Mediziners Anton Will entstand schließlich die „Tier-Arzney-Schule“ in München, die schließlich den Beginn der universitären tiermedizinischen Ausbildung in Bayern initiierte und als Keimzelle der Tierärztlichen Fakultät der Universität München gilt. Bis 1904 durften dort nur ausschließlich Männer studieren. Mit einer Sondergenehmigung gelang es schließlich Liesel Katz, das Blatt zu wenden, als sie als erste Frau das Studium der Tiermedizin aufnahm. Seither stieg der Anteil der weiblichen Tiermedizinstudentinnen kontinuierlich an. Heute wird die Tierheilkunde zu 64 Prozent von Frauen ausgeübt.
 
Anlässlich der 550-Jahr-Feier der Landesuniversität Ingolstadt entstand unter der maßgeblichen Mitwirkung der Tierärztlichen Fakultät und des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt unter dem Titel „Ins Maul geschaut“ eine weitgespannte Ausstellung zu den Anfängen der bayerischen Veterinärmedizin. Im März ist die Sonderschau ins Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf umgezogen und beleuchtet dort noch bis 1. November großzügig und sehr informativ episodenhaft einige wichtige Aspekte und Entwicklungen in der Geschichte der Tierheilkunde. Dabei spannt sie kurzweilig und mit viel Anschauungsmaterial den Bogen von der Antike über die Neuzeit bis in die Gegenwart. Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Begleitkatalog erschienen (25 Euro).

Autor/Autorin: Petra Jendryssek | Fotos: ©Petra Jendryssek