Seit der Begriff des „Urban Gardening“ die Runde gemacht hat, ist klar, dass es nicht immer den großen Garten oder die eigene Parzelle auf dem Land braucht, um sich selbst mit knackigem Salat und gesundem, unbehandeltem Gemüse zu versorgen. Auch Balkon und Terrasse eignen sich vorzüglich, um Salat und Gemüse anzubauen.
Nur noch ein klein wenig Geduld, und es kann losgehen. Ab Anfang März können bereits die ersten Salatpflanzen in den Kasten auf dem Balkon Einzug halten, weiß Gärtnermeister Wilhelm Rippel aus Uettingen.
Bis in den April hinein kann beispielsweise der Vitamin-C-reiche Feldsalat angebaut werden. Galt er im 19. Jahrhundert noch als Unkraut, hat ihn sein nussiger Geschmack zu einem beliebten Begleiter auf jedem Salatteller gemacht. Aber auch Kopfsalat, Eissalat oder Bataviasalat zeigen sich im Balkonkasten ab März von ihrer besten Seite. Allesamt bevorzugen sie sonnigen bis halbschattigen Standort, merkt der Gartenfreund an. Eichblattsalat und Kraussalat wie Lollo rossa oder Lollo bionda, die ab März ausgepflanzt werden können, zählen zu den bekanntesten Pflücksalaten. Ihre lockeren Rosetten mit mehr oder weniger gewellten bis stark gekrausten Blättern pflückt man nach Bedarf von außen nach innen. So lässt sich die Ernte auf vier bis sechs Wochen ausdehnen.

Erntevorsprung mit Setzlingen
Für Ungeduldige: Mit vorgezogenen Setzlingen lässt sich gegenüber der eigenen Aussaat ein Erntevorsprung von etwa vier Wochen erzielen. Beim Kauf der Jungpflanzen sollte man auf einen festen Wurzelballen und kräftige, fleckenfreie und unbeschädigte Blätter achten, gibt der Gärtnermeister zu bedenken, der Dutzende von Kräuter-, Salat- und Gemüsepflanzen jedes Jahr aufzieht.
Mögen auch die Sonnenstrahlen im März und April zum Pflanzen von unterschiedlichstem Blatt- und Fruchtgemüse verlocken, rät der Gartenprofi jedoch dennoch zur Geduld. „Kalte Nächte Ende April können wärmeliebenden Gemüsepflanzen wie Auberginen, Tomaten oder Paprika noch erheblich schaden“. Gurken beispielsweise erleiden schon zwischen zehn und fünf Grad plus Kälteschäden.
Wer sich dennoch nicht zurückhalten möchte, dem rät Wilhelm Rippel in der kritischen Zeit, dem Wetterbericht zu lauschen und für besonders kalte Nächte mit einem kleinen Gewächshäuschen vorzusorgen. In dieses könne man über Nacht einige brennende Friedhofskerzen stellen, deren heißer Deckel über die Nacht so viel Wärme abgebe, dass die jungen Pflanzen keinen Schaden nähmen. Anfang, Mitte April könne man auch Leintücher oder noch besser Vlies schützend über die Jungpflanzen legen. Von Folie hingegen rät der Fachmann ab, da sie in der Nacht die Wärme nicht bei den Pflanzen hält.
Sind die Eisheiligen Mitte Mai erreicht, ist Entspannung angesagt. Jetzt kann alles ohne schützende Gewächshaushülle ausgepflanzt werden. Gerade wenn wenig Platz auf Balkon oder Terrasse vorhanden ist, empfiehlt der Gärtnermeister zu eher kleinwüchsigen, kompakten Pflanzensorten zu greifen, die problemlos im Balkonkasten oder Pflanzkübel wachsen und mit einer aromatischen Ernte belohnen.
Neben regelmäßigem Gießen hänge der Erfolg nicht zuletzt von hochwertiger, nährstoffreicher Pflanzerde ab. Eigene Gartenerde vermischt mit gut abgelagertem Kompost und Hornspänen, wie sie bei den Großeltern noch zum Einsatz kam, helfe, das Nährstoffangebot auf organische Weise nachhaltig zu vervollständigen. Dann kann man der Ernte freudig entgegensehen.
Autor/Autorin: Petra Jendryssek · Fotos: ©fallingangel-pixabay.com, ©pixelscreativefactory-pixabay.com
