Für Suppe und Pesto püriert, für Kräuterbutter gehackt, für Zupfbrot im weichen Hefeteig eingerollt – Bärlauch lässt sich auf vielfältigste Weise kulinarisch verarbeiten und genießen. Aufmerksame Waldgänger haben ihn bereits Ende Februar unter der dichten Laubschicht durch die feuchte, nährstoffreiche Erde spitzen sehen. Wenige Sonnentage in windgeschützter Lage noch, dann durchsticht der Vorfrühlingsbote die braune Decke und färbt den Boden feuchter Laub- und Mischwälder großflächig saftig grün. Wer die stabilen, aber feinen Blätter mit matter Unterseite zwischen Daumen und Zeigefinger reibt, kann den Waldfreund, der stets Blatt für Blatt einzeln am langen Stiel aus der Erde sprießt, eindeutig am knoblauchartigen Geruch identifizieren. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern wie dem Maiglöckchen, der Herbstzeitlosen oder dem Aronstab ist dann nahezu ausgeschlossen. Da zumindest das zweiblättrig wachsende Maiglöckchen und der Aronstab hier und da in seiner Nachbarschaft zu finden sind, ist es allerdings ratsam, das würzige Kraut Blatt für Blatt und nicht büschelweise zu ernten. So verliert man den Überblick nicht. Die Herbstzeitlose, eher auf der Wiese als im Wald zu finden, riecht ebenfalls nicht und blüht erst im Herbst.
Vielseitiger Gesundheitsbote
Mitte März bis Anfang Mai hat Bärlauch Saison. Platzen seine weißen sternähnlichen Blüten aus den prall angewachsenen Knospen, geht die Saison langsam ihrem Ende entgegen, die Blätter verlieren deutlich an Geschmack.
Das wilde Kraut schmeckt jedoch nicht nur lecker, es besitzt auch sagenhafte innere Werte, schwärmt Gesundheitsberater Karl-Heinz Ursprung aus Waldbüttelbrunn: „Bärlauch enthält viele Antioxidantien. Sie helfen unserem Körper, freie Radikale unschädlich zu machen und schützen dadurch unsere Zellen. Sein hoher Gehalt an Vitamin C und Flavonoiden stärkt unser Immunsystem und wirkt entzündungshemmend. Vor allem, wenn es möglichst wenig erhitzt wird, da Vitamin C sehr hitzeempfindlich ist.“



Bärlauch leiste aber auch unserem Verdauungssystem gute Dienste, weiß der Gesundheitsberater aus eigener Erfahrung. Seine ätherischen Öle regen die Verdauung an, fördern die Produktion von Verdauungssäften und schaffen Linderung bei Bauchkrämpfen sowie Blähungen. Außerdem könne es Bärlauch mit Bakterien aufnehmen und so das immunrelevante Gleichgewicht unserer Darmflora stabilisieren. Reich an Schwefelverbindungen, die für den knoblauchähnlichen Geruch und Geschmack sorgen, stärke das Kraut aber auch das Herz-Kreislaufsystem, erklärt Karl-Heinz Ursprung weiter. Sie erweitern die Gefäße, können den Blutdruck senken und die Blutfettwerte bessern. Auch bei hartnäckigem Husten und Schnupfen kann Bärlauch helfen, indem er festsitzenden Schleim zu lösen hilft. Leber und Niere profitieren ebenfalls vom Schwefel. Er unterstützt die Organe bei ihrer wichtigen Entgiftungsarbeit.
Wahrer Chlorophyll-Held
Neben dem hohen Schwefelgehalt falle der Bärlauch auch durch seinen beachtlichen Chlorophyllgehalt von rund 400 Milligramm auf 100 Gramm Blattwerk auf, merkt Karl-Heinz Ursprung an. Dieser unterbinde nicht nur den sonst eher unangenehmen Knoblauchgeruch und halte unseren Säure-Basen-Haushalt in Balance, erklärt der Bioladenbetreiber. Er steigere, vor allem gegen Ende der Erntezeit, auch die Aufnahme von Magnesium und Eisen im Körper, was uns im Frühling mit Bärenkräften durchstarten lässt. Also nichts wie rein ins Bärlauchfeld und einen guten Handstrauß voll – so die offiziell erlaubte Erntemenge – mit nach Hause nehmen. Leichter kann man seinen Körper wohl ganzheitlich nicht auf die Sprünge helfen. Guten Appetit!
Autor/Autorin: Petra Jendryssek, Fotos: pixabay.com
